
Einige
meiner Patientinnen kommen immer nur dann in meine Praxis, wenn es "brennt",
also wenn dringende Probleme vorliegen, oder wenn sie unter Schmerzen leiden:
Dann sind
sie natürlich aufgeregt und ängstlich, weil sie sich selten gynäkologisch
untersuchen lassen. Meist kann
ich sie schnell beruhigen, aber ich erkläre ohnehin auch, dass sie
sich einen solchen Stress leicht ersparen können. Denn der regelmässige
Besuch beim Frauenarzt sollte heute genauso selbstverständlich sein
wie der Termin beim Zahnarzt. Die Krankenkasse
und auch wir Frauenärzte empfehlen, ab dem Alter von 20 Jahren mindestens
einmal im Jahr eine Vorsorgeuntersuchung machen zu lassen. Eine solche
Untersuchung beginnt in meiner Praxis zunächst mit einem Gespräch,
in ich meine Patientinnen frage, ob sie unter irgendwelchen Beschwerden
leiden, ob Familienkrankheiten vorliegen und ob ihr Monatszyklus regelmässig
verläuft. Dabei hilft
es mir, wenn die Patientin mir den ersten Tag ihrer letzten Regel sagen
kann. Danach nehme ich eine Unterleibsuntersuchung vor und entnehme einen
Zellabstrich. Das tut nicht weh. Der Abstrich wird im Labor untersucht
und gibt schnell Auskunft darüber, ob krankhafte Veränderungen
des Gewebes vorliegen. Ist meine
Patientin über 30, dann kommt eine Untersuchung der Brust hinzu, und
vom 40. Lebensjahr an taste ich den Enddarm ab und gebe eine Stuhlprobe
zur Untersuchung ins Labor. Wird eine
solche gründliche Untersuchung regelmässig vorgenommen, dann
können selbst schwere Erkrankungen wie Brust- und Unterleibskrebs
rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Diese tückischen
Krankheiten sind nämlich deshalb besonders gefährlich, weil sie
in der ersten Zeit oft überhaupt keine Beschwerden verursachen. Daher können
sie meist nur in einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt werden. Werden sie
früh erkannt, sind die Heilungsaussichten sehr gross: Wenn zum Beispiel
Gebärmutterhalskrebs schon im Anfangsstadium entdeckt wird, so kann
er in 98% der Fälle geheilt werden. Und auch
bei Brustkrebs gilt der Grundsatz: Früh erkannt - Gefahr gebannt.
Nach der Untersuchung bespreche ich mit meiner Patientin die eventuelle
nötige Behandlung, wenn zum Beispiel Menstruationsbeschwerden, Regelstörungen,
Ausfluss oder etwas eine Infektion vorliegen. Ausserdem
berate ich sie dann in allen anstehenden Fragen, egal ob es um unerfüllte
Kinderwünsche, Sexualität oder Empfängnisverhütung
geht. |